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Bei der Betrachtung der zoologischen Objekte der heutigen Sammlung des Naturalienkabinettes Waldenburg fallen dem aufmerksamen Besucher in mit Flüssigkeit gefüllten, zylindrischen Gläsern aufbewahrte Tiere und anatomische Präparate auf.
Im Gegensatz zu doppelköpfigen Kälbern und weitausladenden Seeadlerschwingen sind diese eher unscheinbar und wenig spektakulär. Dennoch sind sie beredtes historisches Zeugnis und öffnen den Blick zurück in die Blütezeit der Naturalienkabinette im 17. Jahrhundert.
Für die Einrichtung und Erweiterung der zahlreichen Raritätenkammern und Gelehrtenkabinette dieser Zeit waren Konservierungsverfahren entscheidend, die es erlaubten, zoologische Naturobjekte dauerhaft zu erhalten und zu bewahren.
Die Präparation durch einfaches Dörren und Trocknen der Tierkörper oder Bälge war nur bei kleinen bis mittelgroßen Arten erfolgreich und erbrachte darüber hinaus bezüglich Form und Gestalt nur unzureichende Ergebnisse.
Der größte Nachteil so entstandener Trockenpräparate lag freilich in der fehlenden Dauerhaftigkeit, dem eigentlichen Ziel der angestrebten Konservierung, denn sie boten den in allen Naturalienkabinetten heimischen Sammlungsschädlingen uneingeschränkten Zugriff und waren deshalb stets schneller Vernichtung durch Schädlingsfraß preisgegeben.
Deshalb spielte die Verwahrung zoologischer Objekte als Naßpräparate in Spiritusgläsern über sehr lange Zeit eine entscheidende Rolle. Erst die in der Mitte des 18. Jahrhunderts von Jean Bécoeur (1718-1777) erfundene Arsenikseife ermöglichte als sicheres Fraßschutzmittel eine weitestgehende Dauerhaftigkeit von Trockenpräparaten, besonders aus der Gruppe der höheren Wirbeltiere.
So wurden die in Spiritus konservierten Vögel und Säugetiere in den Naturaliensammlungen allmählich durch sogenannte Stopfpräparate ersetzt. Für viele Wirbellose sowie Fische, Lurche und Kriechtiere blieb die Bewahrung in Spiritus jedoch weiterhin eine bedeutende Konservierungsmethode.
Die heutige Sammlung des Waldenburger Naturalienkabinetts umfaßt insgesamt 260 Spirituspräparate.
Sehr wahrscheinlich entstammen alle aus dem 1840 von Fürst Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg erworbenen Naturalienkabinett der Leipziger Apothekerfamilie Linck.
Die Spirituspräparatesammlung blickt somit auf eine über 300jährige sehr wechselvolle Geschichte zurück und enthält heute noch 120 Fische, 18 Amphibien, 95 Reptilien und 22 anatomische Präpatate.
Das Aussehen der Präparategläser mag damals weitestgehend dem im vorangestellten Zitat Naumann's wiedergegebenen Erscheinungsbild entsprochen haben. Möglich ist aber auch ein Verschluß mit Korkstopfen unter den Tierblasen, wie ihn Altner (1983) für die Spiritusgläser des Linck-Kabinettes annimmt.