Sichtbar gemacht: Koloniales Reisen und die Geschichte des "Löwenkindes"
Bereits in der 2018 eröffneten modernen Begleitausstellung im Erdgeschoss des Museums gab es auf unseren Tablets Geschichten rund um die Schätze aus dem Naturalienkabinett zu entdecken. Dann kamen der Wasserschaden und die Schließung und plötzlich kam das digitale Entdecken zum abrupten Ende.
Während der großen Sanierung und barrierefreien Instandsetzung der Begleitausstellung zwischen 2025 und 2026 nutzten wir aber die Zeit bis zur Wiedereröffnung, um das Konzept der Medienstationen zu erweitern. Zusammen mit den Planern von whitebox, die sich damals schon für die Konzeption der Ausstellung verantwortlich zeigten, ergänzten wir das “Neue Naturalienkabinett” um ein weiteres Tablet, das den Besuchenden Einblicke in die kolonialen Lebenswelten der Schönburger Fürstenfamilie gewährt.
Unter dem Titel “Koloniales Reisen” beschreibt die Medieneinheit, analog zu den anderen in der Ausstellung verteilten Stationen, die gezeigten Exponate in unserer ‘Afrika-Vitrine’. So lässt sich ergründen, von wem der zierliche Sonnenschirm benutzt wurde, was es mit der kleinen Skulptur des “Dornenausziehers” auf sich hat, oder wie der Kopf einer Wildkatze an die Wand des Naturalienkabinetts kam.
Diese digitalen Objektbeschriftungen, auf die eine liebevolle Animation von Apotheker Johann Heinrich Linck hinweist, lassen sich auch per Knopfdruck auf Englisch einsehen und ermöglichen so beispielsweise Zugang für unsere internationalen Schulklassenbesuche oder Universitätsseminare.
Ein ganz besonderes Exponat hat es dann noch auf eines unserer bereits vorhandenen Tablets geschafft: im abgedunkelten Raum am Ende der Ausstellung, in dem unsere Humanpräparate gezeigt werden, gibt es nun die Geschichte von Johann Christoph Albrecht nachzulesen. Zuvor nur wegen seiner Lippen-Kiefer-Gaumenspalte als “Löwenkind” bezeichnet, haben Archivrecherchen in Leipzig ergeben, dass es sich bei dem präparierten Kleinkind um einen getauften Jungen handelt, der am Tag seiner Geburt am 31. Mai 1723 verstarb.
Mit dieser biografischen Ergänzung können wir dank digitaler Vermittlung ein kleines Licht auf die menschlichen Hintergründe der sensiblen Humanpräparate richten, die wir fortlaufend unter museumsethischen Gesichtspunkten neu zu ergründen versuchen.
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Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Wir danken ebenfalls herzlich der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen für die tatkräftige Unterstützung bei der Realisierung der digitalen Vermittlung im Museum Naturalienkabinett!