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Forschen

Forschungsprojekte und Kooperationen

In seiner Wurzel ist das Museum - Naturalienkabinett eine ausgewiesene Forschungssammlung, deren Verständnis Grundlage jeglicher Vermittlung ist. Dank intensiver Vernetzung mit renommierten Kooperationspartnern wird die Sammlung immer weiter erforscht. 

Provenienzforschung

Eine heikle Sammlung? Koloniales Erbe im Naturalienkabinett

Vor dem Hintergrund der seit Jahren geführten Debatte um das koloniale Erbe in deutschen Museen finden seit 2019 auch im Naturalienkabinett Recherchen zur Provenienz der Sammlung von Ethnografica statt. Diese Recherchen stießen nicht nur einen Diskurs zur Relevanz des Themas auch in kleineren Museen an. Das Naturalienkabinett erhielt für 2021 außerdem eine Förderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, um die Provenienz seiner Ethnografica in einem eigenen Forschungsvorhaben untersuchen zu können.  

Ging man lange davon aus, dass es sich hierbei um harmlose „Souvenirware“ der Fürsten von Schönburg-Waldenburg handeln würde, kam im Zuge erster Recherchen ein gänzlich anderer Aspekt zum Tragen. Die knapp 150 Ob­jek­te wurden offenbar von Missio­nar:in­nen in den deut­schen Ko­lo­ni­al­ge­bie­ten ge­sam­melt und gin­gen dann an das Fürs­ten­haus von Schön­burg-Wal­den­burg über. Dass die Fürstenfamilie ein weitreichendes Netzwerk zu verschiedenen evangelischen Missionen pflegte, ist wenig bekannt, aber nicht unproblematisch. So konnte die wissenschaftliche Forschung der letzten Jahre klar auf die zwiespältige Rolle der Missionen in der (deutschen) Kolonialzeit verweisen, die ebenso Teil und/oder Unterstützer der Kolonialregierung(en) sein konnten, die an der europäischen Kulturhoheit gegenüber „Eingeborenen“ und der Auflösung indigener Kulturen festhielten, hierbei selbst disziplinierend auftraten oder in Gewaltkontexte und Genozide wenigstens am Rande oder sogar unmittelbar eingebunden waren.

Vordergründiges Ziel ist es, die Erwerbsumstände von 150 ausgewählten Ethnografica möglichst detailliert zu erforschen. Dafür müssen die Verflechtungen der Fürstenfamilie von Schönburg-Waldenburg zu den kolonialen Strukturen ihrer Zeit und den von ihnen unterstützten Missionen und den Missionaren rekonstruiert werden. Es gilt, klare Unrechtskontexte und gewaltsame Konflikte zum Zeitpunkt des „Sammelns“ eines Objekts zu identifizieren, die vorliegenden Verdachtsmomente möglichst eindeutig zu klären, im Falle nachweisbarer gewaltsamer Hintergründe eine mögliche Restitution vorzubereiten sowie alle Objekte der Sammlung mit aktuellem Forschungsstand im Netz und damit weltweit zugreifbar zu veröffentlichen.

Besucherin schaut im Treppenhaus des Museums auf Wand mit Ethnografica

Quellen zur neuzeitlichen Sammlerkultur

350 Jahre Linck-Sammlung. Tagungskooperation mit dem Stadtarchiv Leipzig

Die europäischen Wunderkammern und Kuriositätenkabinette – Keimzellen der modernen Museen – etablierten sich seit der Frühen Neuzeit und insbesondere im 18. Jh. zu Orten zentraler gesellschaftlicher Relevanz: Als Experimentier- und Diskursort über das Wissen um die Welt, als Begegnungsraum der ,Alten Welt’ mit der ,Neuen Welt’ und dem Fremden oder als städtischer Lernort für Akademiker, „Dilettanten“ und für ein sich allmählich herausbildendes und partizipierendes öffentliches Publikum.

Leipzig als international vernetzte Groß-, Messe- und Buchstadt bot ebenfalls günstige Faktoren für ein reges (privates, bürgerliches) Sammeln und brachte während des 17./18. Jh. zahlreiche solcher Sammlungen hervor.  Zwar bildet die Naturalien- und Raritätensammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck eine der ältesten und vollständigsten ihrer Art. Anders als vergleichbare Sammlungen spielt sie im Bewusstsein der Leipziger Bevölkerung bislang kaum eine Rolle. Immer noch fehlen deshalb eine Aufarbeitung der Quellen, der historischen Grundlagen, der Netzwerke und Genese dieser einzigartigen Sammlung. Dieses gemeinsame Kapitel Waldenburger Sammlungshistorie und Leipziger Stadtgeschichte soll im Dezember 2021 Thema einer öffentlichen Tagung werden. 

 

Detail eines Briefes, der von Johann Heinrich Linck d.Ä. unterschrieben ist
© Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg

Glanz, Farbe & Experiment I

Barockes Glas - Kooperation mit dem Grünen Gewölbe Dresden

Die barocke Glassammlung der Lincks umfasst eine Reihe wissenschaftlich bedeutsamer Spezialkonvolute, die derzeit in Kooperation mit anderen Institutionen untersucht werden. Gemeinsam mit dem Grünen Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Helmholtz-Zentrum in Dresden-Rossendorf wird die Zusammensetzung der Waldenburger "Glasflüsse" (oder auch Rubinflüsse) mittels zerstörungsfreier Glasanalyse PIXE/PIGE bestimmt. Im Raum steht die These, dass diese Glasflüsse zu den ältesten Überlieferungen aus der Rubinglasproduktion des Alchemisten Johannes Kunckel (1630-1703) gehören und ihre Materialanalyse wertvolle Anhaltspunkte zur Datierung und womöglich dem Herstellungsort der frühen Rubingläser liefert. 

 

Auf einem rubinroten Glas ist eine geschnittene Raupe zu erkennen

Glanz, Farbe & Experiment II

Barocke Glasflitter - Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg

Eine aktuelle Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg, Lehrstuhl für Mineralogie, gilt einer weiteren Spezialsammlung historischen Glases. "Glasglanz" oder auch als Glasflitter bezeichnete farbige Glasplättchen des 18. Jahrhunderts aus der Linck-Sammlung werden auf ihre Entstehungszusammenhänge und die farbgebenden Ionen befragt. Glasflitter wurden seit dem 17. Jahrhundert als reflektierendes Material bei Farbfassungen etwa an Architekturelementen, als Zusatz in Malmaterialien oder als veredelndes Element im kunsthandwerklichen Bereich genutzt. Oft handelte es sich hier um Importware aus Frankreich oder Italien. Aber auch in Sachsen wurde das Wissen um moderne Technologien und die Materialien der Region immer wichtiger, um diese Stoffe aus der eigenen Glasproduktion zu gewinnen. Den bekanntesten Bestand dieser Art bildet ein historischer Sammlungsschrank des Chemikers Giovanni Francisco Vigani (ca. 1650-1712), der im Queens College in Cambridge aufbewahrt wird. In Waldenburg hat sich offenbar das europaweit größte Konvolut an historischen Glasflittern erhalten. 

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