Adlerstein, gefasst in Messing
Lange durften sie in Apotheken nicht fehlen: Die sogenannten „Adlersteine“, auch Klappersteine oder „schwangere Steine“ genannt. Diese meist ovalen Eisensteine zeichneten sich durch eine steinerne Hülle aus, in der sich ein weiterer Stein verbarg, so dass es bei schüttelnden Bewegungen zu einem klappernden Geräusch kam. Dass diesen Steinen eine therapeutisch relevante Kraft zugeschrieben wurde, erklärt am besten der volkstümliche Name „Adlerstein“: Dem Raubvogel wurde bis weit in das 18. Jahrhundert nachgesagt, dass er zum Schutz seiner Jungen vor Vergiftungen und anderen Gefahren Steine in seinen Horst bringen würde. Die vermeintlich schützende Wirkung von Steinen für den Nachwuchs übertrugen pharmazeutische und alchemistische Schriften auf den Menschen – fortan galten „Adlersteine“ als zentrales Mittel zum Schutz von schwangeren Frauen und ihrer Ungeborenen. Apotheker und Mediziner wandten die Steine an, um eine „unzeitige“, also eine Frühgeburt, zu verhindern als auch Komplikationen während der Geburt zu vermeiden. Eingelassen in eine Fassung aus Messing wurden die „Adlersteine“ den Frauen als Anhänger umgehangen oder auf den Bauch aufgelegt. Ebenso belegen Lexika, dass „Adlersteine“ zu Pulver verrieben auf die weibliche Brust gegeben wurden, um den Milchfluss zu verstärken oder als Adstringens eine Blutung zu stillen. Erst nach 1800 ist der Einsatz dieser Steine nicht mehr in der pharmazeutischen Literatur nachweisbar.
Belegt im Linck-Index II (1786), S. 326, No. 1: "Lithothomi aetitiae. Adlersteine, dergl. von gelbbrauner Farbe von unregelmäßiger Gestalt in Meßing gefasst zum anhängen."
Material & Technik
Varietät des hydratisierten Eisenoxids; Fassung aus Messing
Gesammelt
Vor 1786