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Hausgeschichte(n)

Vom fürstlichen Kabinett zum öffentlichen Museum

Fürst Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg hatte seit 1836 versucht, private Sammlungen für ein eigenes Museum zu erwerben. Dazu zählte etwa das Kunstkabinett des Dresdner Sammlers Ernst Arnoldi, das jedoch anderweitig verkauft wurde. Bald plante der Fürst ein fürstliches Kabinett nach dem Vorbild des Naturalienkabinetts der Herrnhuter Brüdergemeine in Niesky, für das er nun vor allem Sammlungen zur Naturkunde und Wissenschaftsgeschichte erwarb. Zunächst baute er dafür pragmatisch seine bestehende Reithalle aus, ehe er das heutige Naturalienkabinett neu errichten liess. 1845/46 wurde der heute noch bestehende Bau fertiggestellt, welcher zu den ältesten erhaltenen Museumsbauten Deutschlands zählt und den Charme eines fast 180 Jahre alten Gesamtexponats besitzt. In den letzten Jahren konnte dieses besondere Museum neu definiert und behutsam in das 21. Jahrhundert geführt werden. 

Von Leipzig nach Waldenburg

1839

Seit dem Tod des letzten Linck-Sprosses Johann Heinrich Linck d. J. (gest. 1807) befand sich die einst berühmte Sammlung in den Räumen oberhalb der Löwen-Apotheke in der Grimmaischen Straße in Leipzig. Im September 1839 erhielt Fürst Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg Bericht seines Agenten, des Apothekers Ferdinand Reichel, dass das „Linckische Kabinett“ zum Verkauf stand. Der Fürst kaufte den Großteil der Sammlung an und ließ 1841 alles auf Kutschen nach Waldenburg transportieren. Zurück liess er die gesamte wissenschaftliche Bibliothek der Lincks, einige Tierpräparate und bislang nicht weiter bekannte Kunstkammerstücke, die vermutlich nach Dresden verkauft wurden. 

© Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Marstall, Reithalle und fürstliches Naturalienkabinett

1846

Das Museumsgebäude wird fertiggestellt und beherbergt im Erdgeschoss eine Wagenremise, im Obergeschoss dagegen das Naturalienkabinett. Seit dieser Zeit ist die Aufstellung der historischen Vitrinen in sechs hintereinanderliegenden Räumen weitgehend unverändert überliefert. Der Zugang zum Musem führte durch ein Portal vorbei an der fürstlichen Reithalle. Das "Fürstlich-Schönburgische Naturalien-Kabinett" war nicht für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt, sondern wurde ausgewählten Besucher:innen zugänglich gemacht. 


Neuordnung der Sammlung

1933

Unter Fürst Günther von Schönburg-Waldenburg erfuhr das Naturalienkabinett wieder größte Aufmerksamkeit, die sich in verschiedenen Baumaßnahmen, vor allem aber in der grundlegenden Neuordnung der Sammlung und Überarbeitung der Präsentation niederschlugen. Hierzu verpflichtete der Fürst den Mineralogen Alfred Seifert (auf dem Foto rechts) und den Zoologen Konstantin Wöpke (auf dem Foto links), der später auch an der Neupräsentation des Naturalienkabinetts der Francke´schen Stiftungen in Halle tätig war. Die Aufnahme aus dem Jahr 1933 zeigt die beiden Wissenschaftler am Eingang des Naturalienkabinetts mit dem Museumsaufseher Albin Clauder (mitte). 

Ein idealisiertes Sammlerzimmer

1933/34

Im Zuge der Umgestaltung des Museums unter dem Mineralogen Alfred Seifert wurde aus dem ehemaligen Wärterzimmer vor dem eigentlichen Naturalienkabinett ein Sammlerzimmer des Barock, das den Namen "Linck-Zimmer" erhielt. Die mittlerweile als kulturhistorisch äußerst bedeutsam anerkannte Linck-Sammlung erhielt hier einen eigenen Raum, in dem vor allem die "Kunstsachen" in einem bunten Durcheinander präsentiert wurden. Mit den historischen Räumlichkeiten in der Apotheke der Lincks hatte dieser Raum jedoch nichts zu tun. Ihm lagen Kupferstiche und Grafiken zu europäischen Wunderkammern des 17. Jahrhunderts zu Grunde, die dem Zimmer einen allgemeinen, idealtypischen Charakter gaben. 


Eine Heimstatt für die Heimatgeschichte

1934

Der Gewerbe- und Altertumsverein hatte seit Ende des 19. Jahrhunderts Objekte des Gewerbes, der Archäologie und sakralen Kunst gesammelt. Unter Fürst Günther von Schönburg-Waldenburg erhielt die Sammlung des Vereins ihren Platz im Untergeschoss des Museums im Bereich der Wagenremise. 1934 wurde die Sammlung unter dem Kunsthistoriker Kurt Degen wissenschaftlich bearbeitet und neu aufgestellt. 


Neubeginn nach Kriegsende

1945

Es ist ein Glücksfall, dass das Naturalienkabinett im Zweiten Weltkrieg keine nennenswerten Zerstörungen erlitten hat. Auch gab es keine Verluste bei der Sammlung oder Abtransporte durch die sowjetische Armee. Ganz anders stellte sich die Situation im benachbarten Schloss dar, das der Fürst als Auslagerungsort u.a. für die Preußische Staatsbibliothek genutzt hatte und aus dem zahlreiche Güter nach Russland transportiert wurden. Das Schicksal des Naturalienkabinetts blieb über drei Jahre unsicher: So wurden Stimmen laut, es ganz an die Staatlichen Museen nach Dresden abzugeben oder wenigstens die Linck-Sammlung in das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig zu überführen. 1948 gingen das Naturalienkabinett wie auch die heimatgeschichtliche Sammlung als geschlossene Sammlungen in den Besitz der Stadt Waldenburg über, womit auch der Ausstellungsbetrieb wieder aufgenommen wurde. Erster sogenannter "Museumsverwalter" wurde der Webereiarbeiter Bernhhard Schmutzler aus Mylau.


DDR-Zeit und neue Schwerpunkte

um 1975

Unter dem ersten hauptamtlichen Museumsdirektor W. Nötzold verschiebt sich der Schwerpunkt der Museumsarbeit mehr und mehr auf die Heimatkunde und naturkundliche Sammlungsstücke. Die fürstlichen Sammlungskonvolute, aber auch die barocke Linck-Sammlung rückten zunehmend in den Hintergrund. Bereichert wurde die Sammlung in dieser Zeit um die wohl bis heute bekanntesten Stücke: Kälbchen mit diversen Fehlbildungen. In dieser Zeit hatte sich der Ruf des Hauses als "Heimatmuseum" gefestigt. 


Generalkur für das Museum

2009-2011

Über die vergangenen Jahrzehnte waren das Naturalienkabinett und seine Sammlungsbestände in einen desolaten Zustand geraten. 2007 wurde von der Kulturstiftung des Bundes und der Länder das “KUR-Programm zur Konservierung und Restaurierung von Kulturgut“ ausgerufen. Das hier geförderte Projekt „Rettung des Naturalienkabinetts Waldenburg“ wurde von 2009 bis 2011 mit größter fachlicher Expertise umgesetzt und half, den Verfall der Sammlung zu stoppen.

Tausende kulturgeschichtliche bedeutende Objekte wurden dank dieses Mammutprojektes gerettet. MIt der Restaurierung der Sammlungsgüter ging erstmals ihre genaue wissenschaftliche Dokumentation und Erforschung einher, die die Grundlagen für künftige Ausstellungs- und Vermittlungskonzepte bilden sollte.


Generalsanierung

2015 bis 2018

In mehreren Bauphasen wurde das denkmalgeschützte Museumsgebäude rundum erneuert. Zwischen 2015 und 2018 wurde das gesamte Erdgeschoss generalsaniert und die notwendigen Vorarbeiten für eine moderne Begleitausstellung zum Historischen Naturalienkabinett ausgeführt. Außerdem wurde in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege die Fassade des Hauses erneuert. 


Eine moderne Ausstellung wird vollendet

2018

Am 28. November 2018 eröffnete unter großer medialer Anteilnahme die neue und hochmoderne "Begleitausstellung zum historischen Naturalienkabinett". Ihre Konzeptfindung wurde von zahlreichen Personen und Institutionen über Jahre hinweg leidenschaftlich getragen. Den Besucher:innen ist erstmals eine "Gebrauchsanweisung" für die erschlagende und spröde Objektfülle im Historischen Naturalienkabinett an die Hand gegeben worden. Die niedrigschwellige und emotionsbasierte Vermittlung dieses modernen Bereiches des Museums begeistert seit der Eröffnung Groß und Klein. 

Exponate der Begleitausstellung
Foto: Bertram Haude

Ausgezeichnet!

2019

Am 23. September 2019 wurde dem Museum - Naturalienkabinett durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst in Dresden (SMWK) der Sächsische Museumspreis 2019 als Hauptpreisträger zuerkannt. 

Den Preis nahmen für die Stadt Waldenburg Bürgermeister Bernd Pohlers, Stellvertreter Jörg Götze, Museumsleiterinnen Fanny Stoye und Christina Ludwig & Team, Projektmitarbeiter Dr. Thilo Habel und das Gestalterbüro whitebox GbR entgegen.

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